Moodoo Podcast Nr. 2: Dichter und Wutbürger

Dichter und Wutbürger – ein Kommentar

Es ist ein schmaler Grat zwischen smarter Provokation und handfestem Skandal inklusive Shitstorm. Diese Linie hat sich in den letzten Jahren deutlich verschoben und lässt inzwischen nur noch wenig Spielraum für breit gefächerten Humor. Was in Comedy & Satire täglich gelebt wird, scheint in Kommunikation & Werbung ein heißes Pflaster geworden zu sein: Der geschickte Tabu-Bruch.

Wir sind zu einem Land der erhobenen Zeigefinger geworden. Frau gegen Mann, schwarz gegen weiß, Christen gegen Moslems – jeder gegen jeden. Das Lachen haben wir längst verlernt. Alles landet direkt auf der Goldwaage. Zumindest bekommt man diesen Eindruck vermittelt, wenn man Woche für Woche über vermeintliche Rassismus- oder Sexismus-Vorwürfe stolpert. Und dabei geht es keinesfalls darum, Minderheiten auszugrenzen oder zu diffamieren. Es geht einfach darum, sich selbst und den Rest der Welt nicht ständig so ernst zu nehmen.

Gut, der Deutsche ist jetzt nicht unbedingt das Role-Model in Sachen Lockerheit. Humor sollte dennoch mehr als schwarz oder weiß sein. Wir berauben uns selbst der künstlerischen Vielfalt und empören uns über Dinge, die selbst für vermeintliche Betroffene nicht empörenswert sind. Es gibt keine Mitte mehr – in ganz vielen gesellschaftlichen Belangen. Und das alles birgt die Gefahr, dass sich Menschen wie auch Marken nur noch für die “richtigen” Werte positionieren. Das ist keine Political Correctness sondern gelebte Monotonie.

Als Kreativer sehe ich unsere Branche in der Pflicht, Monotonie und hochtragender Sachlichkeit mit Humor und Leichtigkeit zu begegnen. Ohne Angst vor jeder veröffentlichten Arbeit zu haben. Soziale Verantwortung ja, Spießbürgertum nein!

Ralph Gorges
Exec. Creative Director

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